Zürichs Geschichte beginnt, so heisst es meist, auf diesem Hügel: römischer Zollposten, später karolingische Kaiserpfalz. Linden werden hier seit mindestens 1474 gepflanzt, als eine Chronik 52 Bäume auf einmal verzeichnet. Keiner davon steht noch. Ein schwerer Sturm zerstörte 1861 einen grossen Teil des historischen Bestands, und als man die Linden danach durch andere Arten ersetzen wollte, wehrten sich die Zürcherinnen und Zürcher so entschieden dagegen, dass die Ersatzbäume innert 15 Jahren wieder ausgegraben und durch Linden ersetzt wurden. Das meiste, was heute auf dem Lindenhof wächst, stammt aus dieser Nachpflanzung der 1860er und 1870er Jahre. Die ältesten Einzelbäume sind damit gut 150 Jahre alt und nicht die 500 und mehr, die der Name des Platzes und sein Ruf nahelegen. Ein Baum fällt in die andere Richtung aus der Reihe: 1971, im Jahr, in dem die Schweizerinnen auf Bundesebene endlich das Stimmrecht erhielten, wurde hier eigens dafür eine neue Linde gesetzt. Welche Lindenart in welcher Epoche in die Erde kam, hält keine Quelle fest; die Winterlinde ist die übliche Wahl für solche Plätze. Das eigentliche Alter des Lindenhofs ist das Alter der Nachpflanztradition und nicht das eines einzelnen Stammes, der heute dort steht.
Lindenhof, Zurich Altstadt
Kostenlos, frei zugänglich, Lindenhof (öffentlicher Platz, jederzeit offen)
Zürich Hauptbahnhof oder Tramhaltestelle Rennweg, kurzer Fussweg bergauf
Quellen
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