Die Friedhofsplatane der Singerstraße
WienInnere Stadt, 1st district
Dieser Baum verdaut seit zweieinhalb Jahrhunderten in aller Ruhe ein Stück Eisengitter. Die Platane im Fähnrichhof, einem Innenhof knapp abseits der Singerstraße in der Wiener Altstadt, ist mitten durch einen Teil jenes Geländers gewachsen, das einst den eigenen Friedhof des Stephansdoms umschloss, in den 1730er Jahren für Bestattungen geschlossen. Zu sehen ist das Gitter heute nicht mehr. Wiens Naturdenkmalakte hält fest, dass es von jahrzehntelangem Überwallungswuchs im Stamm eingeschlossen wurde, die Baumversion von Narbengewebe, das eine Wunde zuzieht. Ein Sachverständigengutachten von 1987 maß den Stamm mit zweieinhalb Metern Umfang und die Krone mit zehn Metern Durchmesser und setzte das Alter schon damals auf mehr als 250 Jahre an. Heute sind es also deutlich über 280. Der Hof gehörte einmal zum Domherrenhof, der Residenz der Kanoniker von St. Stephan, und ist zu Fuß durch ein Durchhaus von der Blutgasse aus erreichbar, eine jener halbversteckten Abkürzungen zwischen den Gassen der Altstadt. Die Glastür auf der Seite der Blutgasse steht tagsüber meist offen. Außerhalb des Grätzls weiß kaum jemand, dass es diesen Baum überhaupt gibt, und schon gar nicht, dass er still ein Stück kirchliches Schmiedeeisen verdaut, das seit Menschengedenken niemand mehr gesehen hat.
Fähnrichhof courtyard, off Singerstraße 11 / Blutgasse 3, 1010 Wien
Kostenlos, über das öffentliche Durchhaus Blutgasse-Fähnrichhof; die Glastür steht tagsüber meist offen, kann aber gelegentlich versperrt sein
3 Gehminuten von der U-Bahn-Station Stephansplatz (U1/U3), durch das Durchhaus in der Blutgasse
Quellen
Woher die Angaben auf dieser Seite stammen.
- Im amtlichen Register: Naturdenkmale (Stadt Wien, MA 22), no. 3257855
- de.wikipedia.org
- geschichtewiki.wien.gv.at

