Wiens anderer großer Ginkgo bekommt nicht die Aufmerksamkeit, die der Schönbrunner bekommt, obwohl er fünf Gehminuten vom Stephansdom entfernt steht. Gemeinderat Heinrich Braun ließ ihn um 1900 in den Stadtpark bringen und pflanzen, Jahrzehnte nachdem die Art zum modischen Import für europäische Parks geworden war. Heute wächst er neben der Marmorstatue von Franz Schubert, die hier 1872 enthüllt wurde, so nah, dass Fotos vom einen fast immer das andere am Bildrand erwischen. Am 3. Juli 1973 stellte Wien ihn als Naturdenkmal Nr. 569 unter Schutz, mit der Begründung, dass ein Ginkgo dieser Größe so weit von seiner Heimat in China noch immer eine echte Rarität ist. Auf der kleinen, am Stamm verschraubten Tafel steht der alte deutsche Name der Art: Fächerblätterbaum. Der Stadtpark selbst war Wiens erste eigens angelegte öffentliche Parkanlage, 1862 an der Wien eröffnet, damit das Bürgertum der Stadt einen Ort zum Spazierengehen hatte, der kein kaiserlicher Garten war. Genau dabei sieht der Ginkgo seit weit über hundert Jahren zu: Wiener Büroangestellte, Touristinnen und Hundebesitzer queren den Park auf dem Weg woandershin. Und jeden Herbst färbt er sich in dasselbe gleichmäßige Gold wie sein berühmterer Verwandter am anderen Ende der Stadt.
Stadtpark, beside the Schubert monument, 1010/1030 Wien
Kostenlos, öffentliche Parkanlage (Stadtpark)
3 Gehminuten von der U-Bahn-Station Stadtpark (U4)
Quellen
Woher die Angaben auf dieser Seite stammen.
- Im amtlichen Register: Naturdenkmale (Stadt Wien, MA 22), no. 3257652
- de.wikipedia.org
- cityabc.at

