Das Wort, das Münchens Verordnung für diesen Baum verwendet, ist Solitär, was im Fach einen Baum meint, der auf allen Seiten offenen Grund hat und deshalb die Form zeigt, die seine Art tatsächlich hat. Fast kein Straßenbaum bekommt das. Sie kommen als Reihe in die Erde, werden von Fenstern und Kabeln weggeschnitten und enden als halbe Krone zur Straße hin. Diese Kastanie hat den Platz bekommen, und die Naturdenkmalverordnung von 2021 sagt genau das: ein solitärer, schöner und gleichmäßig gewachsener, sehr straßenbilddominanter Baum. Sie steht dort, wo die Sommerstraße auf die Edlingerstraße trifft, in der Au, dem tief liegenden Viertel auf der Isarebene, das jahrhundertelang vom Fluss ausgewaschen wurde und ebenso lang das ärmste Viertel Münchens war. Ein paar Straßen weiter findet am Mariahilfplatz seit 1905 dreimal im Jahr die Auer Dult statt, ein Geschirr- und Trödelmarkt, dessen Marktrechte bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. Unter einer gleichmäßig gewachsenen Rosskastanie zu stehen ist etwas Bestimmtes: eine Kuppel, die tief ansetzt und sich nach oben schließt, getragen von Ästen, die erst herunterhängen und sich an den Spitzen wieder aufrichten. Im Mai geht das Ganze in weißen Kerzen auf, jede Blüte mit einem gelben Fleck, der nach der Bestäubung rot wird, sodass der Baum den Bienen sagt, welche schon erledigt sind. Ein Alter ist nicht verzeichnet.
Sommerstraße / Edlingerstraße, 81543 München
Kostenlos, öffentlicher Grund, keine Einschränkungen
4 Gehminuten vom U-Bahnhof Kolumbusplatz
Quellen
Woher die Angaben auf dieser Seite stammen.
- Im amtlichen Register: Naturdenkmal (Bayern LfU), no. ND-01970
- Munich Naturdenkmalverordnung 2021, Au-Haidhausen 11
- lfu.bayern.de
