Zwölftausend Schulkinder haben diese Eiche an einem Nachmittag gepflanzt, oder zumindest zugesehen, wie eine Handvoll ihrer Mitschüler es tat. Am 1. Juli 1871, wenige Wochen nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags in Frankfurt, der den Deutsch-Französischen Krieg beendete, veranstaltete München auf den Flaucherwiesen an der Isar ein Friedensfest: Ein Zug aus Kindern, Stadträten und Gästen versammelte sich, während ausgesuchte Buben und Mädchen einen jungen Eichensetzling in den Boden setzten. Eine Tafel am Ort trägt bis heute die Inschrift Reichs- und Friedens-Eiche, gepflanzt von der Jugend der Stadt München am 1. Juli 1871, womit dieser Baum zu den wenigen dieser Liste gehört, die ein genaues, unbestrittenes Pflanzdatum haben statt einer Schätzung. Ähnliche Friedenseichen kamen in jenem Jahr in vielen deutschen Städten in die Erde, jede ein kleines Stück Bürgertheater, das die Gründung des Deutschen Kaiserreichs unter Kaiser Wilhelm I. mindestens ebenso feierte wie den Frieden. Dieser hier hatte seither anderthalb Jahrhunderte Zeit, zu einer gewöhnlichen, unauffällig aussehenden Eiche in einem Park an der Isar heranzuwachsen. Ihre eigentliche Besonderheit liegt ganz im Datum und nicht im Stamm.
Flaucheranlagen, near Brudermühlbrücke, Sendling, 81379 München
Kostenlos, öffentliche Grünanlage
10 Gehminuten von der Tram- und Bushaltestelle Brudermühlbrücke
Quellen
Woher die Angaben auf dieser Seite stammen.
- Im amtlichen Register: Naturdenkmal (Landeshauptstadt München, LfU Bayern), no. ND-01972
- stadtgeschichte-muenchen.de
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