Münchens Biergärten sind Kastanienhaine, und der Grund dafür ist technischer Natur. Die Brauer gruben Keller an der Isar, um Bier über den Sommer zu bringen, und pflanzten Rosskastanien darüber, weil die Art aus flachen Wurzeln heraus schweren Schatten wirft und dabei nicht in ein Gewölbe drückt. Dann stellten sie fest, dass die Leute lieber unter den Bäumen tranken, als das Bier nach Hause zu tragen, und der Biergarten war da. Diese hier beschattet keinen Keller. Sie steht an der Südwestecke des St.-Anna-Platzes im Lehel, zwischen zwei Kirchen von sehr unterschiedlichem Temperament: der kleinen Klosterkirche, 1733 vollendet und allgemein als erste Rokokokirche Altbayerns gezählt, und der weit größeren Pfarrkirche, die in den 1890er Jahren daneben entstand. Beide brannten im Bombenkrieg aus und wurden wieder aufgebaut. Die Naturdenkmalverordnung von 2021 schützt den Baum als platzbildprägend und nennt ihn mächtig und gesund. Gesund ist das Wort, auf das es ankommt. Seit den 1990er Jahren bräunt und rollt die Rosskastanienminiermotte, ein Falter vom Balkan, das Laub der Kastanien in ganz Europa bis Mitte Juli, eine Kastanie, die im August noch grüne Blätter trägt, ist also besser dran als der Rest ihrer Art. Ihr Alter ist nirgends verzeichnet. Die Verordnung gibt Gründe und keine Daten, und sonst hat niemand diesen Baum vermessen.
St.-Anna-Platz (southwest corner), 80538 München
Kostenlos, öffentlicher Grund, keine Einschränkungen
1 Gehminute vom U-Bahnhof Lehel
Quellen
Woher die Angaben auf dieser Seite stammen.
- Im amtlichen Register: Naturdenkmal (Bayern LfU), no. ND-01949
- Munich Naturdenkmalverordnung 2021, Altstadt-Lehel 8
- lfu.bayern.de