Die Platane vor dem Grauen Haus
WienJosefstadt, 8th district
Früher waren es zwei. Im Juli 1956 stellte Wien ein Paar Morgenländische Platanen in der Landesgerichtsstraße unter Schutz und hielt Stammumfänge von 2,1 und 3,6 Metern fest. Heute finden sowohl das Naturdenkmalregister als auch das städtische Baumkataster in der ganzen Straße genau eine Morgenländische Platane. Die Überlebende ist die größere, inzwischen 445 Zentimeter im Umfang und 21 bis 25 Meter hoch, und ihre beiden Aktenführer sind sich über ihren Geburtstag freundlich uneinig: Der Schutzbescheid schätzte die Pflanzung auf um 1835, das Baumkataster schreibt 1815. So oder so war sie vor dem Gebäude da, vor dem sie steht. Das Landesgericht für Strafsachen, jener graue Klotz, den die Wiener schlicht Graues Haus nennen, entstand zwischen 1831 und 1839 auf Grund, der zuvor die bürgerliche Schießstätte und davor der St.-Stephanus-Friedhof gewesen war. Die Platane wurzelte also schon, als das Gelände noch ein Schießplatz am Stadtrand war, Jahrzehnte bevor die Stadtmauern fielen und die Ringstraße gezogen wurde. Seither steht sie fast zwei Jahrhunderte lang ein paar Meter von jener Tür entfernt, durch die Menschen am schlechtesten Tag ihres Lebens geführt werden. Niemand hat sie als Mahnmal für irgendetwas gepflanzt. Sie hat einfach jede Nutzung überdauert, die dieser Grund je hatte.
Landesgerichtsstraße, outside the Landesgericht für Strafsachen, 1080 Wien
Kostenlos, öffentlicher Gehsteig, jederzeit sichtbar
4 Gehminuten von der U-Bahn-Station Rathaus (U2), nordwärts entlang der Landesgerichtsstraße
Quellen
Woher die Angaben auf dieser Seite stammen.
- Im amtlichen Register: Naturdenkmal Wien (Stadt Wien, data.wien.gv.at), no. 3257520
- de.wikipedia.org, Josefstadt
- https://data.wien.gv.at (Baumkataster, layer ogdwien:BAUMKATOGD, BAUM_ID 130254)
- de.wikipedia.org, Landesgericht für Strafsachen Wien

