Wiens Baumkataster führt für den achten Bezirk knapp neunhundert Bäume und gibt für diesen einen Stammumfang von 489 Zentimetern an. Damit ist er das mit Abstand dickste Gewächs der Josefstadt. Die Linde steht neben dem Teich im Schönbornpark, dem Garten des Palais Schönborn, und die Stadt datiert ihre Pflanzung auf 1839. Das ist dreiundzwanzig Jahre, bevor die Familie Schönborn den Grund an die Gemeinde verkaufte und aus dem Privatgarten ein öffentlicher Park wurde. Ihre ersten beiden Jahrzehnte verbrachte der Baum also hinter einer Mauer, in einem Palaisgarten, den niemand betreten durfte. Das Palais selbst, zwischen 1706 und 1711 nach einem Entwurf von Johann Lucas von Hildebrandt errichtet, beherbergt seit 1917 das Volkskundemuseum. Die Linde beschattet damit heute eine Wiese, auf der Leute zwischen zwei Sälen mit österreichischen Bauernmöbeln ihr Mittagessen auspacken. Mit 26 bis 30 Metern ist sie höher als das Palais hinter ihr. Sommerlinden blühen früher als Winterlinden, meist in den mittleren zwei Juniwochen, und wenn diese loslegt, riecht der ganze Park danach und die Krone summt hörbar. Nehmen Sie etwas zum Sitzen mit. Die Bänke rund um den Teich sind am ersten richtig warmen Abend des Jahres schnell voll, und die Anrainer wissen genau, welche vierzehn Tage die richtigen sind.
Schönbornpark, Laudongasse 15-19, 1080 Wien
Kostenlos, öffentliche Parkanlage, täglich geöffnet
12 Gehminuten von der U-Bahn-Station Rathaus (U2), bergauf über die Josefstädter Straße
Quellen
Woher die Angaben auf dieser Seite stammen.
- Im amtlichen Register: Naturdenkmal Wien (Stadt Wien, data.wien.gv.at), no. 3257637
- de.wikipedia.org
- https://data.wien.gv.at (Baumkataster, layer ogdwien:BAUMKATOGD, BAUM_ID 220685)
